| Das Schwitzen an heißen Sommertagen oder während dem Sport ist eine ganz normale Körperfunktion, die dem Überhitzen des Körpers entgegen wirken soll. Es gibt in Deutschland jedoch etwa eine Million Menschen, die über das normale Maß hinaus schwitzen, und zwar sowohl an kalten als auch an warmen Tagen, im Ruhezustand sowie beim Sport. Von einer Erkrankung ist bereits ab einer Schweißproduktionsmenge von 20 mg pro Minute die Rede, die meist mit einem Schweißmengentest, der Gravimetrie, ermittelt wird.
Dieses Erscheinungsbild des übermäßigen Schwitzens nennt man Hyperhidrose. Das Schwitzen kann hierbei an unterschiedlichen Körperstellen auftreten, am meisten betroffen sind meist die Hände, die Achselhöhlen sowie der Kopf und die Füße. Tritt die Hyperhidrose nur an einigen Stellen des Körpers auf, spricht man von einer lokalen Erkrankung, ist hingegen der gesamte Körper betroffen, wird von einer generalisierten Hyperhidrose gesprochen. Weiterhin unterscheidet man die primäre Hyperhidrose, die die häufigste Form der Erkrankung darstellt und keine definierten Ursachen trägt von der sekundären Hyperhidrose, die vor allem in der Folge anderer Erkrankungen, beispielsweise einer Überfunktion der Schilddrüse oder aber von Diabetes und Kreislaufstörungen, auftritt.
Wer von übermäßigem schwitzen betroffen ist, muss jedoch nicht allein mit Achselschweiß oder ständig feuchten Händen leben. Gleichzeitig wird auch der gesamte Alltag eingeschränkt, denn der Kontakt zu anderen Menschen wird aus Schamgründen häufig gemieden. Auch das Finden eines Partners ist häufig nicht einfach, denn viele Menschen stößt Achselschweiß oder durch Schweiß feuchte Kleidung einfach ab, auch wenn die Betroffenen diese häufig wechseln. Eine weitere Zusatzerscheinung der Hyperhidrose ist aber auch die Veränderung der Haut, bei der sich durch das ständige Schwitzen leicht Viren, Pilze oder Bakterien bilden können. Auch Fußpilz oder gar eine Neurodermitis können hiermit in Verbindung gebracht werden.
Die Behandlung der Hyperhidrose ist natürlich abhängig von deren Ursachen, die zuerst mit einem Arzt abgeklärt werden müssen. Handelt es sich hierbei um eine sekundäre Erkrankung, muss natürlich die Primärerkrankung geheilt werden, anschließend verschwindet das Schwitzen meist ebenso. Die primäre Hyperhidrose hingegen orientiert die Behandlung nach dem Ort, an dem die Schweißbildung vermehrt auftritt. Handelt es sich vorrangig um Achselschweiß, kann beispielsweise der Einsatz von Achselpads helfen, die den Schweiß einfach aufsaugen. Auch wird in vielen Fällen eine 10-30%ige Aluminiumchloridlösung verwendet, die anfangs täglich, im späteren Verlauf nur noch zwei-bis dreimal in der Woche mit einem Zerstäuber aufgetragen wird. Hiermit werden die Schweißdrüsen verstopft, wobei es bei 90% der Betroffenen zu einer deutlichen Verbesserung des Schwitzens kommt. Auch die Behandlung von Botox ist eine Möglichkeit zur Schweißbekämpfung. Da die Wirkung jedoch nicht dauerhaft ist, muss die Behandlung in Abständen von 5-8 Monaten wiederholt werden.
Tritt die Hyperhidrose an Händen und Füßen auf, hat sich beispielsweise die Lontophorese durchgesetzt. Hierbei werden Wasserschalen mit Polen verbunden, durch die Gleichstrom fließt. Der Erfolg der Behandlung ist jedoch nicht immer gegeben. Deutlich wirkungsvoller ist hierbei die Sympathektomie, bei der Nervenknoten und Fasern, die für die Schweißbildung verantwortlich sind, während einer Operation in Vollnarkose ausgeschaltet werden. Aufgrund der Narkosenotwendigkeit ist diese Methode aber mit nicht zu vernachlässigenden Risiken verbunden, die in jedem Fall mit einem Arzt abgeklärt werden müssen.
Neben der medizinischen Behandlung der Hyperhidrose sollte aber auch die Psyche nicht vernachlässigt werden, denn gerade starke Gefühlsäußerungen können hier mit Schwitzen beantwortet werden. Durch die Behandlung kann das seelische Gleichgewicht wieder hergestellt und Ängste des Alltags können bewältigt werden. |